11.12.2019

Das Allround-Talent

Wasserbasierte Acryllacke sind umweltfreundlich, ge­ruchs­arm und aus arbeitsmedizinischer Sicht we­sent­lich unbedenk­licher als konventionelle löse­mittel­hal­ti­ge Systeme. Doch sie punkten auch in Sachen Wirt­schaftlichkeit, sind einfach und unkompliziert in der Hand­habung und „überrollen“ mit ihrer universa­len Haft­kraft fast jeden Untergrund.

Wie alle Lacke bestehen auch wasserbasierte Acryllacke aus Lösemittel, Bindemitteln (Filmbildner), Pigmenten und weiteren Additiven. Alle diese Komponenten beeinflussen die Eigenschaften des Lackes maßgeblich. Acrylat­sys­te­me erhärten und trocknen physikalisch. Diesen Vorgang nennt man „kalten Fluss“, da die Kunststoffpolymerteil­chen nach der Verdunstung des Wassers „ineinander fließen“ und so einen geschlossenen Film bilden. Neben den ge­nannten Bestandteilen werden dabei auch Stabili­satoren oder UV-Filter fest in das Bindemittelgefüge ein­ge­bunden. Da bei Acrylsystemen hauptsächlich Wasser als Lösemittel fun­giert, sind sie wesentlich umweltfreundlicher als kon­ven­tionelle löse­mittelhaltige Systeme.

Die Beschichtung mit einem Acrylsystem gilt als beson­ders langlebig und alltagstauglich. Sie zeichnet sich durch eine gute Witterungsstabilität, hervorragende UV-Bestän­digkeit und eine sehr reduzierte Vergilbungsneigung aus und sie ist auch noch leicht zu reinigen. Das Material ist dabei einfach in der Anwendung, trocknet schnell, kann deshalb schnell überarbeitet werden und der wichtigste Pluspunkt: Es haftet auf nahezu allen Untergründen.

Universell einsetzbar

Mit diesen Eigenschaften eignen sich Acrylsysteme vor allem für den Einsatz auf Zink, Aluminium und anderen NE-Metallen, Holz und Holzwerkstoffen, Wand und De­cken­­­­­flächen mit verschiedenen Bekleidungen, aber auch für die Anwendung im Außenbereich. Gerade bei Objek­ten mit Mischuntergründen (Beispiel: Beton­bauteile, Kabel­kanäle, Fallrohre, Kunststoffverblendungen und sogar Pulver- und Coilcoating-Flächen) kann wegen der univer­sa­len Haftungseigenschaften meist auf ein Pro­dukt zu­rück­gegriffen werden. Verantwortlich dafür sind die spezi­ellen Eigenschaften des Bin­demittels Acryl. Verstärkt wird die Haftungswirkung meist durch Einsatz von so genann­ten Haftungspromotoren. Kein anderes Bindemittel bietet in der Vielzahl der zu beschichtenden Untergründe eine so hohe Sicherheit in punkto Haftung wie das Acrylat. Dabei sind diese Anstrichfilme elastisch und können auch auf Untergründen eingesetzt werden, die durch Dimen­sions­schwankungen ihr Volumen verändern, wie zum Beispiel begrenzt maßhaltige Holzbauteile oder Kunst­stoff­ober­flä­chen.

Acrylsysteme werden als Grund-, Zwischen- und Schluss­beschichtungen verwendet, wobei „Eintopf-Systeme“ (ein Produkt für alle Beschichtungsschritte) aus wirtschaft­lichen Gründen besonders bevorzugt werden. Die Sys­teme können durch Rollen und Streichen und in den meis­ten Fällen auch mit allen gängigen Spritz­verfahren verar­beitet werden. Aus ökonomischer Sicht steht das Airless­spritzen jedoch an erster Stelle, da hiermit große Flächen beson­ders effizient bearbeitet werden können und das Material in den meisten Fällen unverdünnt bleibt. Die Leichtigkeit ihrer Handhabung und die schnelle Reinigung der Airless­geräte machen den Profianwender sehr fle­xi­bel. Nach nur wenigen Handgriffen - wie Düsenwahl und Druck­­ein­stel­lung - kann es losgehen.

Vor Beginn der Arbeiten ist es jedoch wichtig, die zu be­schich­tenden Untergründe fachmännisch vorzube­rei­ten, denn nach wie vor kommen die meisten Rekla­mationen durch Nachlässigkeiten in diesem Bereich zustande. Die Substrate (Untergründe) müssen sauber, fettfrei und da­mit tragfähig hergestellt werden. Dabei können je nach Unter­grund verschiedene Reinigungsarten und Materialien zum Einsatz kommen. Hinweise dazu geben die BFS- Merk­blätter.

Hier ist eine fachmännisch gereinigte und mit einem Acrylsystem be­schichtete Fläche zu sehen. Der Nachweis der fachgerechten Vor­ar­beit wird mit einem Gitterschnitt dokumentiert (Hier: GT2 = 0).
Hier ist eine fachmännisch gereinigte und mit einem Acrylsystem be­schichtete Fläche zu sehen. Der Nachweis der fachgerechten Vor­ar­beit wird mit einem Gitterschnitt dokumentiert (Hier: GT2 = 0).

Hier ist eine fachmännisch gereinigte und mit einem Acrylsystem be­schichtete Fläche zu sehen. Der Nachweis der fachgerechten Vor­ar­beit wird mit einem Gitterschnitt dokumentiert (Hier: GT2 = 0).

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

Wichtig ist auch, die äußeren Parameter abzuwägen und zu prüfen, ob und wie wasserbasierte Acrylatbeschich­tun­gen zum Einsatz kommen können. Im Gegensatz zu löse­mittel­hal­tigen Lacken unterliegen die wasserverdünnbaren Systeme na­tur­gemäß weitaus mehr den physi­ka­li­schen Gesetzmäßig­keiten. Anstricharbeiten sollten des­halb nur dann durch­geführt werden, wenn die Untergrund- und die Umge­bungs­temperatur nicht deutlich außerhalb eines Be­reiches zwischen +10° und +30° C liegen. Denn niedrige, aber auch zu hohe Temperaturen wirken sich negativ auf die Trocknung der physikalisch erhärtenden Systeme aus. Auch eine zu hohe Luftfeuchtigkeit oder die Betauung im Außenbereich spielen dabei eine Rolle. Film­bildungs­stö­run­gen wie Risse, Blasen oder Verfärbungen, aber auch eine komplette Enthaftung der Beschichtung können die Folge sein. Liegen die Untergrund- oder die Umge­bungs­temperatur unter +8° C (VOB DIN 18363 Teil C), kön­nen Maßnahmen wie Einhausungen und/oder eine ex­terne Wärmezufuhr Abhilfe schaffen. Diese Maß­nah­men können als besondere Leistungen abgerechnet werden.

Im Baufarbenbereich kommen Acrylate heute in unter­schied­­­lichsten Formulierungen zum Einsatz. Die An­wen­dung stützt sich dabei immer wieder auf die guten Eigen­schaften des Bindemittels. Acryllacke, Kombina­tions­­lacke aus Acryl, Alkyd und PU, modifizierte Rein­acrylat­dis­per­sionen, Dis­per­sionslacke und Acrylate mit speziellem Nass­hafungs­promotor sind dabei wichtige Entwicklungen im Profi­seg­ment. So können die modernen Acrylat­syste­me mit vielen lösemittelhaltigen Systemen konkurrieren. In vielen Fällen bieten sie sogar echte Vorteile gegenüber den kon­ven­tionellen Lacken, vor allem wenn es um das Thema Ge­sundheit und um die Forderung nach geruchsneutralen oder geruchsredu­zierten Anwendungen geht.

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